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Jessica Steiger
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Es war Sonntag, der 28. Oktober 2007, gegen 16.00 Uhr.
Bei den SV NRW-Kurzbahnmeisterschaften stand das Finale
über 100m Rücken der Frauen an. Vom Startsignal
bis zum Anschlag der acht Finalistinnen verging etwas mehr
als eine Minute. Für Jessica Steiger blieben die Uhren
bei 1:04,21 Minuten stehen. Damit stand die am 24. Mai 1992
in Gladbeck geborene Jessica Steiger als Siegerin fest.
Für die 15-jährige Schülerin des Gladbecker
Ratsgymnasiums, am dem sie die zehnte Klasse besucht, war
dies der erste Titelgewinn in der offenen Klasse bei SV
NRW-Meisterschaften.
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Überhaupt waren die Titelkämpfe auf den Wuppertaler
Südhöhen für Jessica ein voller Erfolg. Neben der
Goldmedaille über 100m Rücken, gewann sie in der offenen
Klasse noch zwei Bronzemedaillen über 200 und 400m Lagen.
Daneben konnte sie noch mehrere Jahrgangstitel von der Wupper
mit in das nördliche Ruhrgebiet nehmen.
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Großen Anteil an diesem Medaillensegen schreibt Jessica
Steiger dem Höhentrainingslager des SV NRW in diesem
Herbst in der spanischen Sierra Nevada zu.
"Vielen Dank an die Trainer und Betreuer. Die
haben sich rund um die Uhr um uns gekümmert und dafür
gesorgt, dass diese Maßnahme ein voller Erfolg war",
ist Jessica Steiger voll des Lobes.
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Jessica Steiger
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Die Anfänge ihrer schwimmerischen Laufbahn liegen fünf
Jahre zurück. Da begann sie bei der SG Gladbeck, der sie
bis heute treu geblieben ist, mit dem Leistungsport. "Bei
der SG Gladbeck hat schon meine Mama geschwommen. Hier habe ich
gute Trainingsbedingungen und eine tolle Mannschaft. Außerdem
wohne ich nur fünf Minuten vom Bad an der Schützenstraße
entfernt", nennt Jessica als Gründe für ihre
Vereinstreue.
Ihr Schwimmtalent wurde Jessica bereits in die Wiege gelegt.
Ihre Mutter Sandra stand unter ihrem Mädchennamen Dahlmann
bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles im Finale über
200m Rücken. Außerdem nahm sie an zwei Jugend-Europameisterschaften
teil. Ob Tochter Jessica über die Rückenstrecke einmal
in die Fußstapfen der Mutter tritt, bleibt abzuwarten. "Jessica
hat früher Rücken gehasst, ist inzwischen aber so schnell,
dass sie mich fast eingeholt hat. Allerdings musste ich früher
noch mit den langsameren Wenden schwimmen", schmunzelt
Sandra Steiger. Vielleicht ist es aber auch Jessicas jüngere
Schwester Nina (10) die die Rekorde von Mutter und älterer
Schwester jagt "Nina hat schon angekündigt, dass
sie mich später mal schlagen will", sagt Jessica.
Keine schwimmsportliche Vergangenheit hat hingegen Vater Ralf.
"Er hat Tennis gespielt, aber schwimmen kann er nicht",
erzählt Jessica mit einem Lächeln. Bei der erfolgreichen
Vergangenheit der Mutter ist es kein Wunder, dass Jessica diese
auch als eine ihrer sportlichen Vorbilder angibt. Als weiteres
Vorbild nennt sie Michael Phelps, den sie neben Franziska van
Almsick auch gerne einmal kennen lernen würde.
Obwohl Jessica jetzt bei den SV NRW-Meisterschaften über
Rücken glänzte, gehört diese Lage nicht unbedingt
zu ihren Lieblingsdisziplinen. Zu diesen zählt sie in erster
Linie die 200m Brust und die 200m Lagen. Über die 200m Brust
schwamm sie 2004 schon einmal einen deutschen Altersklassenrekord.
Über 200m Lagen wurde sie in diesem Jahr bei den Deutschen
Jahrgangsmeisterschaften in Dortmund Vizemeisterin. Das gleiche
gelang ihr 2005 in Berlin, hier aber über 200m Schmetterling.
Als ihren größten sportlichen Erfolg nennt Jessica
den Gewinn der Goldmedaille 2004 bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften
in Leipzig im Mehrkampf. "Ich lag am Ende nur einen Punkt
vor Theresa Michalak aus Halle und das bei einer Gesamtpunktzahl
von ca. 3000. Das war schon cool", staunt Jessica noch
heute über die knappste aller möglichen Entscheidungen
in diesem Wettkampf.
Zu ihren schönsten sportlichen Erlebnissen zählt Jessica
auch das Trainingslager der SG Gladbeck in diesem Frühjahr
in Florida. Vielleicht mit ein Grund dafür, dass sie Miami
als die Stadt nennt, in der sie sich vorstellen kann, einmal zu
leben, falls sie irgendwann einmal ins Ausland gehen sollte. "In
Gladbeck ist es aber auch schön", offenbart Jessica
jedoch auch Heimatverbundenheit.
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Siegerehrung NRW KB 2007 100m Rücken.
links: Janina Migas (SG Dortmund), rechts Stephanie Czayka
(VFR Übach-Palenberg), mitte Jessica Steiger
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Sportlich hat sie sich für die nahe Zukunft vorgenommen,
ihre bisherigen Bestzeiten zu verbessern. Im Hinblick auf
eine JEM-Teilnahme 2008 äußert sie sich eher
skeptisch. "Es kommt ja schließlich auch darauf
an, was die anderen schwimmen. Wenn es nicht klappt, wäre
es für mich nicht weiter schlimm. Ich wäre zufrieden,
wenn ich bei den Deutschen Meisterschaften neue Bestzeit
schwimme, auch wenn ich damit nur Dritte würde",
sagt Jessica.
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Ihre berufliche Zukunft sieht Jessica Seiger derzeit noch etwas
im Dunkeln. Sie weiß noch nicht was sie nach dem Abitur
einmal macht. "Irgendetwas mit Sport, am liebsten Schwimmen
sollte es aber schon sein", legt sie sich aber doch schon
ein wenig fest.
Wie viel Zeit sie für Training aufwendet, unterscheidet
sich nicht von denen aller Leistungsschwimmer. Die Anzahl der
Trainingseinheiten wurde in den Portraits anderer Akteure an dieser
Stelle bereits ausreichend dargestellt. Auch bei Jessica kommt
da schon ganz schön etwas zusammen, so dass für Hobbys
nicht allzu viel Zeit bleibt. In ihrer Freizeit geht sie gerne
shoppen "wie alle Mädels", sagt sie. Außerdem
trifft sie gerne Freunde, liebt aber auch Familienausflüge.
Hier kann sie dann auch das zu sich nehmen, was sie zu ihren Lieblingsspeisen
zählt. "Das sind nicht so gesunde Sachen: Süßigkeiten
und Eis", gibt sie zu.
An ihren Mitmenschen schätzt Jessica Ehrlichkeit und Ehrgeiz.
Was sie nicht abkann ist, wenn jemand lügt und sie mag auch
keine Leute, die nur auf der Coach sitzen und außer TV gucken,
nichts unternehmen. "Coach-Patatoes" nennt Jessica
diese Zeitgenossen.
Nicht verzichten kann Jessica Steiger auf ihre Familie und Freunde,
sowie auf ihre Mannschaft bei der SG Gladbeck. "Die alle
stehen wie auch die Trainer immer hinter mir. Darauf bin ich stolz",
sagt Jessica. Zum Abschluss soll noch das Zustandekommen der Überschrift
dieses Portraits erklärt werden. Ich habe Jessica von vielen
DMS-J Veranstaltungen in Erinnerung, wo sie in ihrer Mannschaft
immer die kleinste war. "Ja, ich war für die anderen
immer die Kleene", sagt Jessica. Spätestens nach
ihrem Top-Auftritt bei den SV NRW-Kurzbahnmeisterschaften zählt
Jessica Steiger aber zu den Riesen.
Peter Kuhne